
Ich bin ein Naturkind
aufgewachsen im Garten meiner Oma. Umgeben von Blumen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, spielten wir Kinder Verstecken oder lagen auf dem Rasen unter 3 riesigen Birken und schauten durch die hängenden Zweige und im Wind raschelnden Blätter in den blauen Himmel.
Dass ich diese Schönheit auch anderen Menschen zeigen möchte, wusste ich schon früh. Doch schien diese Aufgabe immer zu überwältigend. Kein Foto konnte das zeigen, alle poetischen Worte waren zu kurz gegriffen. Ich blieb am Zeichnen und Malen hängen und an der Landschaft.
Um meinen Bildern mehr Aussagekraft zu verleihen, mache ich mich heute nun auf die Suche herauszufinden, was mir diese Landschaft bedeutet und damit ich ausdrücken kann, was sie mir bedeutet.
Doch wie gehe ich vor?
Das ist gar nicht so einfach! Zum Glück traf ich letztes Wochenende eine kluge Frau, auch eine Malerin, die mir riet, ich solle die Landschaft so betrachten, als sähe ich sie zum ersten Mal. Auf was mein Auge dann beim ersten Hinsehen fällt, das wäre das, was mich an der Landschaft angesprochen hat.
Also packte ich mein Fahrrad und startete in den beginnenden Frühling, hin zum See in unserem Stadtteil. Meine Lieblingsstelle ist schilfbewachsen und das gelb-orange-beigefarbene Schilf sticht vor den dunkelbraunen Bäumen hervor. Diesen Kontrast mag ich. Ich nahm an einem der dort befindlichen Tische Platz und kramte ein sehr kleines Skizzenbuch hervor. Zum ersten Mal hatte ich mein Material bewusst reduziert und nur eine kleine Auswahl an Stiften mitgenommen. Es war ein Set der Farben von Gelb über Ocker bis Dunkelbraun. Ich zeichnete was mir gerade ins Auge fiel, verzichtete wie sonst auf eine korrekte Abbildung und Reihenfolge der Bäume, sondern versuchte zu erfassen was ich gerade sah. Nachdem ich den inneren Kritiker beruhigt hatte, war ich am Ende sehr zufrieden und setzte meine Erkundung fort.

Ich stieß auf den gebogenen Ast eines Baumes, der sich über den Schilfbereich aufschwang. Diese Bewegung zog meine Augen an. Vom letzten Jahr zerfledderte Rohrkolben zeichneten sich weich gegen den blauen Himmel ab und standen im Kontrast zu den hängenden zackigen Erlenfrüchten, die über dem See hingen. Am Uferbereich mit den Steinen bewunderte ich die bemoosten Strukturen und die sanften Farbwechsel von kaltem Blaugrün der noch nicht aufgeblühten Weidenkätzchen hin zu den frisch hellgrünen Blättchen der Trauerweide. Die Vielfalt der Nuancen von Grüntönen, bis hin zum Flaschengrün das ins Blau der Himmelsspiegelung im See überging, das alles faszinierte mich.
Auf einem kurzen Abstecher zum Feldrand, der an den See angrenzt, fiel mir die wolkige Blütenmasse der Sträucher hin zu den noch kahlen, braunen Bäumen im Hintergrund auf.
Ich schlug mich durch in den Überflutungsbereich, wo sich die beiden Teile des Sees sich berühren und stieß auf Wurzeln, die sich aus einer Vielzahl an Ausläufern erstreckten. Da zeigte sich bereits die sinkende Abendsonne auf den orange-ocker erleuchteten Stämmen wiederum gebogener Jungbäume gegen den Schatten des Sees. Besonders poetisch fand ich die schwarzen Schnäbel der Gänse im Gegenlicht, die in die selbe Richtung wiesen.

Zurück blieb eine tiefe Freude und Befriedigung
und die Erkenntnis, dass mich das Licht-Schattenspiel der Landschaft anspricht, die Kontraste, aber auch die sanften Farbwechsel benachbarter Farben auf dem Farbkreis. Dann Texturen, die mich faszinieren, das ahnte ich bereits, wie die weichen Schilfwedel und die sich kräuselnden Samenstände der Erle. Doch manchmal sind es auch poetische Schnipsel, die mich an etwas erinnern, ein Gefühl wachrufen, wie die Gänse, die sich im Gleichklang bewegten.
Ich werde das weiter erforschen!Es ist die Frage was ich schreiben soll und was interessant sein könnte.